Keller Tabak AG

TabakKeller Flyer

 

Bericht aus dem Bieler Tagblatt
(mit freundlicher Genehmigung vom Ressort Wirtschaft des Bieler Tagblatts)

BT

KELLER TABAK 30.07.2012, 00:00

«Es war eine einmalige Chance»

 

Der Genussmittelladen Keller Tabak an der Bieler Bahnhofstrasse zieht erstmals um. Der Laden ist ein Ort mit langer Tradition. Seit 82 Jahren ziert er schon das Strassenbild von Biel.

TR

KEVIN HEGG

 

Wer den Laden an der Bahnhofstrasse 1 in Biel betritt, den erwartet ein einzigartiges Bouquet an Gerüchen. Die Aromen von Tabakarten aus aller Herren Länder vermischen sich. Helle Fliesen, dunkles Holz und Schriftzüge von grossen Zigarrenherstellern prägen das Bild im Innern des Ladens. In hohen Trichtern neben dem Sekretär gibt es Tabakmischungen mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Neben der Kasse steht eine Waage, um die richtige Menge an Tabak abzuwägen. Dahinter sind - Päckchen für Päckchen - klassische Zigaretten in ein Regal eingeordnet. Die lange Geschichte, die dem Ort anhaftet, ist spürbar.

 

Vorerst Schweizer Produkte

Im Jahr 1930 wurde das Haus an der Bahnhofstrasse 1 erbaut. Der Baustein für ein zurInstitution gewordenes Geschäft war gelegt. Im Erdgeschoss eröffnete die Familie Kellereine Filiale ihres Tabakgeschäfts. Das Hauptgeschäft befand sich in der Nidaugasse.Anfänglich standen vor allem Schweizer Produkte in den Regalen. Stumpen von Villiger oder Rössli gingen über die Ladentheke. Die Auswahl an Zigarren, Zigaretten und anderen Tabakprodukten war noch eher klein. Max Robert Keller, der Sohn des Gründers,trat ebenfalls ins Tabakgeschäft ein. Zwischenzeitlich war dem Tabakladen noch einEngrosbetrieb angegliedert. Dieser versorgte Restaurants, Läden und Kioske im ganzenSeeland.

Die Produktpalette des Tabakgeschäfts wurde immer vielfältiger. Die zunehmende Globalisierung trug das Ihre zu dieser Entwicklung bei. Das Sortiment, das lange Zeit vorallem aus Schweizer Produkten bestand, wurde nach und nach um Zigarren aus Mittel- und Südamerika erweitert - zu Beginn vor allem mit handgedrehten Zigarren aus Kuba.Ähnliche Produkte aus Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik folgten.

Zigarren aus Kuba stellen heute das Gros des Zigarrensortiments dar. «Die Zigarren aus dem Karibikstaat sind eher kräftig und würzig», sagt Therese Rihs, die heutige Inhaberin von Keller Tabak. Unter Max Robert Keller stiess sie Ende der 1980er Jahre als Buchhalterin und Fakturistin zum Engrosbetrieb. Als dieser jedoch geschlossen wurde, wechselte Rihs zu Swisstennis. Neben dieser Tätigkeit machte sie für Keller Tabak aber weiterhin die Buchhaltung. Ihren ehemaligen Chef sah sie nur noch selten.

«Kannte die Zahlen»

Im Jahr 2000 eröffnete Keller ihr, dass er das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen könne. «Sein Wunsch war es, dass das Geschäft in seinem Sinne weitergeführt wird», sagt Rihs. Er habe sich erhofft, dass sie sein Lebenswerk übernehme.

«Ich kannte die Zahlen», sagt Rihs und ergänzt: «So eine Chance hat man nur einmal im Leben.»

In den letzten zehn Jahren ist die Produkteauswahl nochmals gestiegen. So hat Rihs unter anderem das Sortiment an Tabakmischungen für Pfeifenraucher vergrössert.

Traditionelle Rezepte behielt sie bei und ergänzte die Auswahl mit eigenen Mischungen. Gleich wie das Sortiment veränderte sich auch die Kundengruppe. Zur Zielgruppe zählt Rihs alle Erwachsenen ab 18 Jahren. Tatsächlich ist das Alter gerade bei den Zigarrenrauchern gesunken.

Rauchten früher traditionell Leute aus einer oberen sozialen Schicht, wurde die Kundschaft für das gleiche Produkt in jüngster Vergangenheit immer grösser. Wer Zigarren heute noch als elitär betrachte, der irre. «Zigarren gehören heute auch bei jungen Leuten zum Lifestyle», sagt Rihs.

Neueröffnung im September

Gerade in den letzten Jahren wurde die Lobby gegen das Passivrauchen immer stärker. Die Sensibilisierung bei der Bevölkerung und auch bei den Kunden spürt auch Rihs. Viele Zigarettenraucher drehten ihre Zigaretten wieder selber, weil die Abgaben auf herkömmlichen Zigaretten überproportional stiegen, so Rihs. Bei den Zigarrenrauchern gab es hingegen keinen Rückgang. Rihs führt dafür zwei Gründe auf: Zum einen rauchten Zigarrenliebhaber schon seit längerer Zeit nicht mehr in Restaurants und anderen öffentlichen Orten. «Der Anstand verbot ihnen das schon vor der restriktiveren Passivraucher-Gesetzgebung», so die Geschäftsführerin, die auch selber gerne eine Zigarre raucht. Für Rihs sind Zigarren- und Pfeifenraucher in erster Linie Geniesser. Von Suchtverhalten spricht sie daher in diesem Zusammenhang nur ungern.

Seit drei Jahren bietet Keller Tabak auch diverse Whisky-Sorten an. Preise für auserlesene Spirituosen beginnen bei rund 50 Franken und gehen bis zu 400 Franken pro Flasche. Auch für Zigarren lässt sich viel Geld ausgeben. Die teuerste Cohiba kostet bei Keller Tabak 55 Franken pro Stück.

In den letzten Jahren beobachtet Rihs eine neue Entwicklung: «Immer mehr Frauen gönnen sich eine Zigarre», sagt sie. So gründete sie vor sechs Jahren den ersten Lady Cigar Club der Schweiz. Jeden Monat treffen sich die weiblichen Clubmitglieder und rauchen gemeinsam eine Zigarre, was noch heute manche Augenbraue in der Herrenwelt hochgehen lässt.

Der Tabakladen eingangs der Bieler Bahnhofstrasse schrieb in den letzten über acht Jahrzehnten so manche Geschichte. Jetzt zieht er erstmals um. Die Hausnummer bleibt aber die gleiche. Denn der Laden zieht nur einen Hauseingang weiter. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am 8. September statt.